Geschichte

Bereits in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren es einige „Hofer“ Bürger, die sich korporativ dem Sulzbacher Gartenbauverein angeschlossen hatten. Hier ist besonders deren Sprecher, Jakob Hoffmann, Leiter der evangelischen Volksschule Neuweiler zu erwähnen, der die kleine Gruppe bis 1900 geführt und vertreten hatte. Diese Interessengruppe und einige andere „Hofer“ machten sich im gleichen Jahre selbständig und gründeten den Gartenbauverein. In der Generalversammlung wurde Karl Blatter zum 1. Vorsitzenden gewählt, der am 1. Oktober 1926 für 25jährige Tätigkeit wie die abgebildete Urkunde beweist, ausgezeichnet worden ist.Neuweiler war um die Jahrhundertwende und auch später bis etwa Mitte der 30er Jahre ein kleines Bergmannsdorf mit überwiegend ländlichem Charakter. Außer den großen Bauern Ruffing und Russy gab es noch andere wie Abel, Blatter, Fuhrmann, Mohr, Reitz, Rutz, Triem und Quarz/Lausch um nur einige zu nennen, die sich nebensächlich dem Ackerbau widmeten und nebenbei Kohlenfahrten vor oder nach der Schicht von den umliegenden Gruben nach Neuweiler durchführten.

Wenn man daran denkt, was das für eine Schinderei gewesen sein muß, den steilen Berg hinauf, bei jedem Wetter im Sommer wie auch im Winter, so können einem die armen Zugtiere heute noch leid tun. Zu jedem der etwa 130 Häuser, die um 1910 auf dem „Hof“ standen, gehörte auch ein Garten der intensiv genutzt wurde. Es gab damals noch keine Geschäfte, die etwa Gemüse und Obst dem Käufer anboten, wie dies heute das ganze Jahr über der Fall ist. Erst nach dem Ersten Weltkrieg anfangs der 20er Jahre war es damit so weit. Nur im Herbst kamen einige Großbauern aus dem Gau und boten ihre Früchte an. Der geringe Verdienst, in der ach so schönen und guten alten Zeit, zwang die Menschen dazu, alle verfügbaren Flächen zu bepflanzen und einzusäen, denn die Haustiere, wie Ziegen, Schafe, Schweine, Hasen, Hühner, Enten und evtl. auch Gänse, mußten ja auch gefüttert werden, ehe sie in den Kochtopf oder in die Bratpfanne wanderten.

Das Saatgut wurde auch noch nach dem Ersten Weltkrieg mittels Sammelbestellungen des Gartenbauvereins von Deutschlands größten Gärtnereien in Erfurt bezogen. Die Aufteilung war Sache des Vorstandes. Man traf sich in der Wohnung eines Vorstandsmitgliedes oder im Vereinslokal Quarz/Lorenz in der Ackerstraße, wo dann auf einer Briefwaage die Samenkörnchen in die bestellten Mengen abgepackt wurden.

Für den 1926 ausgeschiedenen 1. Vorsitzenden Blatter wurde Johann Schmitt durch die Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er begleitete das Amt bis zum Jahre 1942. In seiner Amtszeit wurde Johann Huppert im Jahre 1937, also zwei Jahre nach der Rückgliederung des Saarlandes, durch den pfälzischen Landesverband für 36jährige aktive Mitarbeit im Gartenbauverein geehrt.

Von 1942 bis 1944 leitete Fritz Müller den Verein. Jakob Jüngst fungierte ab 1944 mit zwangsweiser Unterbrechung als 1. Vorsitzender bis 1953.

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg, als das Saarland erneut vom angestammten Mutterland abgetrennt und unter französische Verwaltung kam, wurden alle Vereine aufgelöst und verboten. Hier sei besonders vermerkt, daß in den Wirren der turbulenten Nachkriegszeit alle Akten und Aufzeichnungen einschließlich der Protokolle des Vereins seit der Gründung verlorengegangen sind, evtl. aber auch vernichtet wurden; denn Hausdurchsuchungen durch die französische Militärregierung waren keine Seltenheit. Durch Verfügung des Hohen Kommissariats der Französischen Republik im Saarland Nr. 776/AG Oberst Cogombles vom 2. 4. 1949 betreffend das Vereinsrecht wurden die Gartenbauvereine Sulzbach unter Nr. D 421, Hühnerfeld unter Nr. D 420 und Neuweiler unter Nr. D 419 genehmigt und im Vereinsregister eingetragen.

In der Generalversammlung, die im März 1953 im Vereinslokal Lorenz stattfand und von 72 Mitgliedern besucht war, was einen Rekord bedeutete, wurde Hans Becker zum 1. Vorsitzenden gewählt; der bisherige 1. Jüngst wurde 2. Vorsitzender und zum Hauptkassierer wählte man Karl Huppert, der das Amt seit dieser Zeit ununterbrochen zur vollsten Zufriedenheit mit viel Geschick und Fleiß im Interesse des Vereins betreut.

Durch die rege Bautätigkeit, die in den Jahren 1950/51 einsetzte, nahm die Einwohnerzahl Neuweilers ständig zu. Viele schlossen sich dem Verein an, der mit Fachvorträgen und Filmvorführungen Anleitungen zur Gartengestaltung, Pflanzen von Hecken und Bäumen, Kultivieren des Bodens, Düngen, Jäten, Säen, Setzen von Blumenzwiebeln und anderes mehr gab und auch heute noch gibt.

Zur Ungezieferbekämpfung wurde 1955 eine „Holder“-Motorspritze angeschafft. Da dem Gartenbauverein nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung standen und behördlicherseits nur geringe Gelder flüssig gemacht werden konnten, trat als Mäzen ein altbewährtes und treues Mitglied Rudolf Russy mit dem Gesamtbetrag von 200 000 franz. Franken in Vorlage, der ohne Zinsen zurückzuzahlen war. Die Motorspritze ist seit nunmehr 20 Jahren in den Wintermonaten im Einsatz. Zunächst waren es nur einige Tausend Liter Brühe die zur Baumwäsche erforderlich waren. Durch ständige Zunahme des Baumbestandes – heute geschätzt auf etwa 5000 – werden bei einem Einsatz von 30 bis 35 Tagen zirka 250 Liter Obstbaumkarbolineum verbraucht, was etwa 20 000 Litern Spritzbrühe entspricht.

Seit Ende der 50er Jahre werden in den Gärten von Neuweiler „Schnittlehrgänge“ abgehalten, die regen Zuspruch fanden. Von den jeweiligen Geschäftsführern des Kreisverbandes der Gartenbauvereine Saarbrücken Gier und Kempin, sowie auch von Gartenmeister Thiel aus Sulzbach, haben unsere Mitglieder – insbesondere aber unsere Baumwarte Otto Jung und Herbert Bensch – daß sie selbständig Schnittlehrgänge durchführen und unsern Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Der 1. Vorsitzende Hans Becker schied am 2. Februar 1958 aus. An seine Stelle trat Berthold Gasiorek, der das Amt bis 22. Februar 1959 innehatte. Hermann Brunotte wurde am gleichen Tage durch die Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Um die Mitglieder weiter zu schulen, besuchte der Verein alle Bundesgartenschauen – ausgenommen Hamburg – größere Gartenbaubetriebe, Versuchsanstalten wie Kreuznach und die BASF (Badische Anilin- und Sodafabriken) in Ludwigshafen, die große Obstbaumschule in Geisenheim sowie den Rosengarten in Zweibrücken und den Alpengarten in Würm (Pforzheim).

Unser Protokollführer und Hobby-Fotograf Roschel hat fast alle vorstehend genannten Reisen und vieles andere im Bild festgehalten. Da der Verein über ein Archiv mit Bildern und einen Dia-Bildwerfer mit 432 Dias verfügt, können die schönen Erinnerungen in gewissen Zeitabständen immer wieder aufgefrischt werden. Hinzu kommen neuerdings die „Baatz“-Filme die ein gutes Echo gefunden haben.

Am 16. März 1968 trat Hermann Brunotte aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurück. Durch die Generalversammlung wurde der bisherige 2. Vorsitzende Paul Schenkelberger zum 1. Vorsitzenden gewählt, während Brunotte den 2. Vorsitz übernahm, von dem er dann am 3. April 1971 endgültig abdankte. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er laut Beschluß der Generalversammlung vom gleichen Tag zum Ehrenvorsitzenden ernannt und ihm eine Urkunde überreicht. 2. Vorsitzender wurde Wilhelm Venitz.

Das Vereinsleben kann als gut und rege bezeichnet werden. Seit 1963 bis heute werden durch Rundschreiben (jährlich zirka 6 bis 8) alle Mitglieder über aktuelle Fragen und Ereignisse unterrichtet. Durch diese Maßnahme wird auch mit den inaktiven Mitgliedern ein ständiger Kontakt hergestellt.

Beim Erntedankfest 1971 im Freizeitheim wurden durch den Kreisverband Saarbrücken mit der „Silbernen Rose“ ausgezeichnet: Bensch, Herbert – Gentes, Fritz – Huppert, Karl – Jung, Otto und Schmidt, Heinrich – die sich im Verein besondere Verdienste erworben hatten, ihnen folgten im Jahre 1972 Butz, Adolf und Roschel, Ernst.

Zum ersten Male in der Geschichte des Vereins lud der Vorstand – einem Wunsch vieler Mitgliederfrauen folgend – im Januar 1973 zu einem Kaffeenachmittag ein, der, wie auch der Kaffeenachmittag im August, zu ständigen gesellschaftlichen Veranstaltungen geworden sind und sich regen Zuspruchs erfreuen.

Zwei Halbtags- und zwei Tagesfahrten, die im Durchschnitt mit 90 bis 100 Gartenfreunden in die nähere und weitere Umgebung – auch nach Frankreich, Luxemburg und Holland – innerhalb eines Jahres gestartet werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Im vergangenen Jahr (1974) ist zum ersten Male eine Nikolausfahrt ins Blaue (halbtags) mit 3 Bussen und 147 Teilnehmern veranstaltet worden. Vom Vorstand gut vorbereitet, fand die Feier mit Bescherung im Saale Niederländer in Ormesheim statt.

Gesamtvorstand v. l. stehend: Erwin Baatz, Herbert Bensch, Wilhelm Venitz, Rudolf Eifler, Wilhelm Götten, Ernst Roschel, Kurt Reitz, Emil Mai, Gerhard Backes, Hans Zimmer, Adolf Eisemann, Fritz Mootz, Karl Huppert – v. l. sitzend: Jakob Rach, Otto Jung, Paul Schenkelberger, Adolf Butz.

Höhepunkt im Vereinsleben ist die alljährliche Erntedankfeier im Freizeitheim mit dem dazu eingerichteten Gartencenter der Fa. Betz und Schuster, St. Ingbert, die unser Lieferant für Samen, Düngemittel, Torf, Blumenzwiebeln, Vogelfutter u. a. auch Gartengeräte ist.

Entsprechend einem Vorstandsbeschluß werden bei der Erntedankfeier Mitglieder, die im abgelaufenen Jahr das 80., 85. und 90. und jedes weitere Lebensjahr erreicht haben, mit einem kleinen Präsent bedacht.

Die Mitgliederzahl seit 1944 ist aus der nachfolgenden Tabelle zu ersehen:

1944 – 1031945 – 1031946 – 133
1947 – 991948 – 991949 – 78
1950 – 841951 – 731952 – 81
1953 – 1191954 – 1591955 – 159
1956 – 3481957 – 3481958 – 373
1959 – 3731960 – 3601961 – 369
1962 – 3831963 – 3981964 – 429
1965 – 4591966 – 4841967 – 493
1968 – 5051969 – 5021970 – 489
1971 – 5031972 – 4791973 – 491
1974 – 4901975 – 532. 

Der Verein unterhält auch eine Bibliothek mit einschlägiger Fachliteratur, die von unserem Mitglied und Beisitzer im Vorstand Gerhard Backes, wohnhaft Am Hang 6, verwaltet wird. Wir bitten unsere Mitglieder von dieser Einrichtung regen Gebrauch zu machen.

Vorsitzende des Vereins seit Bestehen:

        Blatter Karl, * 2. 2. 1863 + 24. 2. 1939
        Schmitt Johann, * 26. 3. 1876 + 2. 10. 54
        Jüngst Jakob, * 2. 11. 1899 + 2. 2. 1959
        Brunotte Hermann, * 10. 2. 1899 + 28. 6. 71
        Becker Hans, * 11. 9. 1925

        Schenkelberger Paul, * 24. 3. 1908

Hauptkassierer des Vereins:

      Schmidt Heinrich, * 5. 7. 1894
        Huppert Karl, * 31. 8. 1913